Geschichte der Frauengruppe SVP Stadt Zürich

Ende November 2005 hat die Frauengruppe SVP Stadt Zürich im Hotel Mercure Stoller, bei einem feinen Nachtessen samt Geburtstagstorte, ihr 50−jährige Bestehen gefeiert.

Mitte der Fünfzigerjahre beschlossen einige visionäre BGB-Frauen (Bauern−, Gewerbe und Bürgerpartei), eine Frauengruppe zu gründen und schritten gleich zur Tat. Das Interesse an der Frauengruppe war riesig, 42 Frauen nahmen an der Gründungsversammlung vom 18. November 1955 im «Zunfthaus zur Schmiede» teil. Zweck der neu gegründeten Frauengruppe war es, durch Vorträge, Führungen und Besichtigungen, Staatskunde- und politische Schulung im Sinn der damaligen BGB am öffentlichen Leben teilzunehmen. Die BGB war begeistert und spendete der Frauengruppe 500 Franken, um ihr Programm umsetzen zu können.

Was aber noch lange nicht heisst, dass die BGB-Frauen in allem die gleiche politische Meinung vertraten wie die Mutterpartei. Am 1. Februar 1959 wurde über das Frauenstimmrecht abgestimmt, die BGB beschloss die Nein-Parole. Erbost darüber traten die Präsidentin, die Vize-Präsidentin und ein weiteres Vorstandsmitglied der Frauengruppe gleichzeitig zurück. Aber die Frauengruppe liess sich nicht beirren, während der Sechzigerjahre wurde kontinuierlich für das Frauenstimmrecht gekämpft, die BGB Frauen nahmen an Umzügen teil, organisierten Vorträge usw.

In den 70er-Jahren war das Ziel endlich erreicht. Am 15. November 1970 wurde das kantona-le Frauenstimmrecht, und am 7. Februar 1971 das Frauenstimmrecht auf eidgenössischer Ebene, eingeführt. Damit war ein Kampf beendet, der fast zwei Jahrhunderte dauerte, denn die französische Revolution wird allgemein als der Beginn der Frauenrechtsbewegung ange-sehen − auch in der Schweiz.

Die Gleichstellung der Frauen wurde von der BGB äusserst positiv aufgenommen, dies zeigt sich auch darin, dass an einer Parteiversammlung im Jahr 1973 beschlossen wurde, die BGB-Frauengruppe der Stadt Zürich zukünftig als selbständigen Verein wie eine Kreispartei zu führen.

Eine weitere grosse Änderung in den Siebzigerjahren war die Namensänderung der Partei. Im Tagesanzeiger vom 1. Juni 1973 ist folgendes zu lesen:

Aus der BGB-Mittelstandspartei soll auf breiter Basis eine bürgerliche Partei neu aufgebaut werden, die SVP der Stadt Zürich. Durch Beschluss einer ausserordentlichen Parteiversamm-lung vom 21. Mai 1973 heisst nun auch die Stadtzürcher BGB-Mittelstandspartei: SVP, Schweizerische Volkspartei der Stadt Zürich/BGB.

Wie wichtig die Frauengruppe damals für die Partei und offenbar auch für den Tagesanzeiger war, zeigt sich darin, dass in einem Artikel zur Namensänderung und zum Parteiprogramm die Frauen ausführlich erwähnt wurden:

Positive Arbeit innerhalb der neuen Stadtpartei wird in Zukunft auch die Frauengruppe leisten, welche als selbständiger Verein besteht. Wie Frau Lise Siegenthaler, als Präsidentin dieser Organisation ausführte, soll die Frauengruppe nun noch vermehrt mithelfen, dringende Probleme zu lösen. Eine wichtige Aufgabe sieht sie auch in der Information. Sie will aber auch der zunehmenden Vereinsamung den Kampf ansagen.

Die SVP-Frauen waren gestärkt und selbstbewusst durch die Gleichstellung geworden und engagierten sich politisch heftig in den Achtzigerjahren. Durchschnittlich 85 Mitgliedsfrauen diskutierten und nahmen Stellung zu bedeutenden politischen Themen wie AHV-Revision, UNO Beitritt, das neue Eherecht oder Frauen im Militär.

Ausserdem haben sich die SVP-Frauen mit dem Bericht der Eidgenössischen Kommission für Frauenfragen der SVP Schweiz auseinandergesetzt. Diese gab die Empfehlung heraus, Mäd-chen und Buben vom ersten Tag an die gleiche Zuwendung, Pflege und Erziehung zukommen zu lassen. Mädchen sollten nicht dadurch eingeschränkt werden, dass sie weniger Aufmerk-samkeit, weniger Zärtlichkeit oder mehr Ermahnungen erdulden müssten. Auch sollte Mäd-chen bei der Berufswahl und der Planung ihrer Zukunft geholfen werden.

Eigentlich selbstverständlich, doch weitere Forderungen der Kommission sind bis heute nicht oder nur teilweise realisiert worden, so zum Beispiel die Arbeitsaufteilung zwischen Vater und Mutter oder genügend Kinderhorte.

Trotz aller Erfolge zeigt dies, dass Frauen in der Politik noch lange nicht selbstverständlich sind und es darum eine Frauengruppe nach wie vor geben muss.

Leider aber musste die Frauengruppe SVP Stadt Zürich 2002, wegen mangelndem Interesse aufgelöst werden, doch schon am 27. Januar 2005 hat Margrit Haller die Frauengruppe mit 21 Frauen und überarbeiteten Statuten neu gegründet. Die neue Frauengruppe vertritt weiterhin die SVP-Politik analog Programm, gemeinsam mit den Männern. Die Frauengruppe ist eine Plattform und Unterstützung für Frauen, die sich bereits politisch engagieren oder in Zukunft engagieren wollen.

In der Frauengruppe SVP Stadt Zürich ist einiges los. Seit der Neugründung wurde viel unternommen. Zusammen mit den Kreisparteien organisieren wir Standaktionen, an denen den Passanten jeweils Kaffee und selbstgebackener Kuchen angeboten werden. Diese Abwechslung ist äusserst beliebt, weil sie den idealen Rahmen bietet, um über Politik zu diskutieren. Ausserdem werden interessante Führungen organisiert, so zum Beispiel ein Vortrag bei der Stadtpolizei mit anschliessender Führung durch das berüchtigte Langstrassen−Quartier (in Begleitung der Stadtpolizei!). Die FG war auch schon zu Gast im Gemeinderat und hat bei SVP-Schiessanlässen mit einer Vierergruppe mitgemacht. Wir organisieren jährlich einen «Sommerhöck» und ein Adventsessen. Die Mitglieder der FG treffen sich natürlich regelmässig, um aktiv über Politik und weitere interessante Themen zu diskutieren.

Nun steht die Frauengruppe SVP Stadt Zürich bereits im 56. Jahr seit ihrer Gründung und noch sind keine Ermüdungserscheinungen festzustellen. Der Vorstand ist zum Teil neu besetzt worden, aber unsere Präsidentin, Margrit Haller, hält immer noch die Zügel fest in der Hand. Wir freuen uns auf eine 60−Jahr−Feier.